Judy01's Blog

Freut euch im Herrn. Ich betone es noch einmal: Freut euch! Lasst alle sehen, dass ihr herzlich und freundlich seid. Denkt daran, dass der Herr bald kommt. Sorgt euch um nichts, sondern betet um alles. Sagt Gott, was ihr braucht, und dankt ihm. Ihr werdet Gottes Frieden erfahren, der größer ist, als unser menschlicher Verstand es je begreifen kann. Sein Friede wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren. Phil. 4,4-7

Bibliothekarisches September 19, 2009

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"Books from the ghetto" - diese werde ich katalogisieren

Meine erste Arbeitswoche in Yad Vashem ist zuende und zur Belohnung gibt es 3 freie Tag, den wir feiern Rosh Hashana, das jüdische Neujahrsfest.

Meine Arbeit für die erste Zeit wird es sein, die Bücher zu bearbeiten, die als Schenkung bzw. Tausch aus der Bibliothek des Auschwitz-Museums nach Yad Vashem gelangt sind. Dabei stoße ich immer wieder auf sehr interessante Literatur: vor allem Propaganda und manchmal muss man da schon ganz schön schlucken. Vieles ist noch in Fraktur und der Zustand der Bücher an sich ist auch nicht der beste. Wenn man dann manchmal auf der Titelseite des Buches sieht, welchen Weg es gegangen ist, dann ist das schon berührend.

Teil der Auschwitz-Sammlung

Teil der Auschwitz-Sammlung

So steht eben neben dem Stempel der Zentralbücherei der Deutschen Arbeitsfront der Stempel der Bibliothek des Auschwitzmuseums. Der Großteil ist auf deutsch, aber ab und an mischt sich auch mal ein polnisches Buch darunter. Das ist dann immer ein wenig wie Rätselraten: Was ist jetzt hier der Verlag oder ist das vielleicht eher der Zusatz zum Hauptsachtitel u.s.w. Aber das ist auch schon einmal eine Übung für meine nächste Aufgabe, wo ich dann die Kunstbücher katalogisieren werde, denn die werden in allen möglichen Sprachen sein.

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- ohne Worte -

Eine Besonderheit in Yad Vashem sind sicher die Volontäre: Sie arbeiten unter anderem bei mir in der Bibliothek und sind eben nicht nur junge hochmotivierte Deutsche, die sich zwischen Abitur und Studium eine Auszeit gönnen. Zweimal pro Woche sitzt Moshe neben mir, er ist ca. 80 Jahre alt und spricht gebrochen Deutsch, das hat er damals in der Schule in der Ukraine gelernt. Er ist „nach dem Krieg“ nach Israel ausgewandert. Ich habe nicht nachgefragt, ich kann mir die Geschichte denken… Trotz allem ist er ein Mann voller Güte und Freundlichkeit. Ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe und er freut sich über mich (bei unserer letzten Begegnung hat er mir einen deutschen Brief seiner Bank mitgebracht, den ich ihm vorlesen und erklären sollte…). Seine Aufgabe ist z.B. Sicherungstreifen in die Bücher zu kleben und Signaturschilder zu beschriften und anzubringen. Und dass macht er mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit. Er würde auch öfters kommen, hat er mir erzählt, aber er hat eine kranke Frau zuhause. Moshe ist nicht der einzige Freiwillige, da ist z.B. noch Rosa, genauso alt mit Wurzeln in den USA, sie kommt ebenfalls zweimal pro Woche. Ich finde diese Idee großartig! Die Volontäre freuen sich, mithelfen zu können und nehmen den Bibliothekaren viele Arbeiten ab. Definitiv eine Sache, die in mein was-ich-mir-für-meine-Bibliothek-mal-vornehme-Buch reinkommt.

Als ich mir diese Woche neue Bücher aus dem Magazin holen wollte, musste ich einfach mal nur diese eine Regalreihe ordentlich stellen. Es ging nicht anders. Vielleicht sind wir da ja als Deutsche wirklich komisch, aber ich denke mir halt: Die haben hier so seltene und wertvolle alte Bücher, wie kann man die nur so reinwerfen ins Regal? Nimmt man

noch zu katalogisieren

noch zu katalogisieren

dann eins heraus, dann merkt man schon, dass es sich verzieht. (Die Volontäre aus dem Archiv haben erzählt, dass Schindlers Liste wohl bis vor wenigen Jahren auch noch einfach so im Archiv in einem Regal lag und jeder, der vorbeikam, mal „anfassen“ konnte, bevor man es jetzt doch mal in einen Karton getan und weggeschlossen hat…)
All zu viel habe ich nicht geradegerückt, weil ich niemandem auf den Schlips treten wollte, schließlich gibt es eine Verantwortlich im Magazin, die den ganze Tag dort verbringt. Sie hat ihr Zimmer im mittleren Bereich des Magazines und wenn man an die Bücher vor 1994 ran will, muss man an ihr vorbei. Am Donnerstag wollte ich mich vergewissern, dass es das Buch meines Professors S. in der Bibliothek tatsächlich gibt, aber ich habe es bei mehreren Anläufen tatsächlich nicht geschafft, an der netten Freu vorbeizukommen! Zwar habe ich ihr versucht zu erklären, dass ich nur mal gucken will und schon weiß, wo die Bücher stehen, aber irgendwie… Ich werde also morgen nochmal genau im Wörterbuch nachschlagen und mir die entsprechenden Sätze herausschreiben und es am Montag nochmal versuchen… Was man nicht alles mitmacht. ;-)

(Mehr Bilder auf Flickr.)

 

Erster Arbeitstag und Besuch im Ilan September 9, 2009

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Blick von der Bibliothek

Blick von der Bibliothek

Heute war mein erster Arbeitstag in der Bibliothek. Nachdem ich etwa eine halbe Stunde am falschen Eingang gewartet habe (von wo man aber einen wunderbaren Blick hat –> siehe Bild), wurde ich von meinem netten Chef – Rob – abgeholt und zu den richtigen Arbeitsräumen gebracht. Die Büroräume sind in einem anderen Gebäude als der Lesesaal und das Magazin. Ich persöhnlich finde das eher ungünstig, ich weiß nicht wie die Profis das sehen. Ich werde vom Lesesaal auch nur deswegen mehr sehen, weil ich heute immer darauf bestand, dass ich später mal “Circulating” (Ausleihe) machen will. Die Büroräume sind im Vergleich zu den öffentlich zugänglichen Teilen von Yad Vashem nicht so schön. Sehr klein, sehr eng und zum Teil ohne Fenster. Anschließend wurde mir erst eimal ein Teil der Belegschaft vorgestellt. Einen Arbeitsplatz für mich gibt es noch nicht. Das liegt daran, dass noch nicht entschieden wurde, wo ich demnächst meine Hauptaufgabe vollbringen werde: 500 Kunstbücher katalogisieren. Schön. Da musste ich spontan an Claudia denken, sie würde es lieben. Am Sonntag werde ich eingewiesen, bis dahin habe ich frei, weil die zuständige Mitarbeiterin im Urlaub ist. Auch nicht schlecht, so kann ich noch ein wenig ankommen.

Als nächstes habe ich die kleine (ca.1,40), nette Anna kennengelernt. Sie hat mir in einem Kauderwelsch aus Deutsch, Englisch und Hebräisch den Katalog und das Bibliothekssystem erklärt und ein paar Übungen mit mir gemacht. Da habe ich mich wieder gefühlt wie in meiner Volontärszeit: ein totales Sprachengewirr. Aber auch bei mir und meinem Sprachgebrauch. Irgendwie gibt es so in jeder Sprache Wörter, die den Sachverhalt am besten weider geben. Und dieses nutzt man dann, egal welche Sprache es ist. In Annas Zimmer habe ich auch eine ganz tolle Entdeckung gemacht: Das Deutsche Bücherverzeichnis, Karl Georgs Schlagwortkatalog und Hinrichs…sie alle waren da und standen im Regal. Professor S. hätte wohl seine Freude daran, den sie werden noch benutzt.

Karl Georg

Karl Georg

Anschließend musste ich – wie überall . die entsprechenden Formulare ausfüllen. Offiziell bin ich “Volontär”, also wird es hoffentlich auch mit einem Volontärsvisum klappen. Das muss ich nächste Woche auch mal noch in Angriff nehmen. Leider wurde mir auch gleich gesagt, dass niemand mit mir zum Ministerium gehen wird :-( Schade. Aber ich krieg das schon hin. Ganz stolz habe ich dann auch meine eMailadresse @vadvashem.com in Empfang genommen. Juhu.

Rachel – die Sekräterin – hat sich über eine Stunde Zeit genommen, um mir einen Teil des Geländes zu zeigen. Ich kann dazu nur sagen: Israel lohnt sich als Besuch allein schon wegen Yad Vashem. Das ist hier alles so beeindruckend. Da geht es los mit den Bäumen, die für die gerechten unter den Nationen gepflanzt wurde, dann der Wagon, der auf Gleisen wie in den Abgrund fährt und in dem die Leute damals deportiert wurden, Ausstellungen, die visual und  learning center und zum Schluss das Museum. Unbeschreiblich…muss man gesehen haben und lässt niemanden unbeeindruckt. Abgeschlossen wurde unsere Tour dort, wo ich heute angefangen habe: Lesesaal und Magazin.

Der Lesesaal wird mit dem Archiv geteilt und enthält nur einen kleinen Handbestand der meistgenutzen und wichtigsten Literatur und der Yizkor-Bücher (über jüdische Gemeinden). Alles andere wird aus dem Magazin heraufgeholt. Dort wird nach nummerus currens aufgestellt. 2 Ziffern: Jahr + Laufende Nummer, Sonderformate und Sonderformen extra. Schien mir nicht sonderlich kompliziert.

Mein Eindruck von der Arbeitsweise hier ist: sehr chaotisch und recht entspannt. Wenn man sich die Zimmer der Mitarbeiter ansieht, dann ist das für einen Ordnungsliebenden Menschen vielleicht nicht ganz so einfach zu verstehen.  Doch das Genie beherrscht das Chaos. Allerdings muss ich sagen, dass mich bei den Bücherreihen ganz ganz stark das Bedürfnis überkam, alles schon vorn auf Kante zu stellen…Das ist eben doch ein Unterschied zu Deutschland. Mal sehen, wenn es mich nicht mehr hält, gehe ich vielleicht nächste Woche einfach mal hin und stelle alles schön in Reih´ und Glied…

Uih, ich merke schon, der Artikel wird länger und länger. Was mir noch aufgefallen ist: Das Thema

vor der Bibliothek

vor der Bibliothek

Fundraising/Sponsoring ist hier ein ganz anderes. Überall in der Stadt sieht man Häuser, Parks…die irgendwemm gewidmet oder von jemandem gesponsert sind. In Yad Vashem nocheinmal verstärke, weil viele in Gedenken an ermordete verwandt Dinge oder Geld spenden.

Da ich heute auch um einiges eher gehen konmnte, habe ich mich spontan entschlossen bei meiner alten Arbeit im Behindertenheim vorbei zu sehen. Ich war so aufgeregt, aber es war dann echt schön. Hab alle begrüßt und mit ihnen geredet, Neuigkeiten ausgetauscht. (Siwans Mutter ist jetzt an Krebs gestorben, nachdem sie ihn 2x besiegt hat.) Außerdem auch in der WG vorbeigeschaut und ein wenige mit den Jungs unterhalten. Sind alle sehr nett, es hat sich nicht allzuviel verändert. Im Gespräch mit den Behindis habe ich gemerkt, dass mein Hebräisch doch nicht so schlecht ist, ich muss mich einfach trauen es laut zu sagen. Mach ich auch meistens, mein Problem ist nur, dass ich dann meist die Antwort nicht verstehe ;-) . Hat auf jeden Fall meinen Wunsch bestärkt, wieder in einen Ulpan zu gehen und zu lernen.

 

 
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