
Blick von der Bibliothek
Heute war mein erster Arbeitstag in der Bibliothek. Nachdem ich etwa eine halbe Stunde am falschen Eingang gewartet habe (von wo man aber einen wunderbaren Blick hat –> siehe Bild), wurde ich von meinem netten Chef – Rob – abgeholt und zu den richtigen Arbeitsräumen gebracht. Die Büroräume sind in einem anderen Gebäude als der Lesesaal und das Magazin. Ich persöhnlich finde das eher ungünstig, ich weiß nicht wie die Profis das sehen. Ich werde vom Lesesaal auch nur deswegen mehr sehen, weil ich heute immer darauf bestand, dass ich später mal “Circulating” (Ausleihe) machen will. Die Büroräume sind im Vergleich zu den öffentlich zugänglichen Teilen von Yad Vashem nicht so schön. Sehr klein, sehr eng und zum Teil ohne Fenster. Anschließend wurde mir erst eimal ein Teil der Belegschaft vorgestellt. Einen Arbeitsplatz für mich gibt es noch nicht. Das liegt daran, dass noch nicht entschieden wurde, wo ich demnächst meine Hauptaufgabe vollbringen werde: 500 Kunstbücher katalogisieren. Schön. Da musste ich spontan an Claudia denken, sie würde es lieben. Am Sonntag werde ich eingewiesen, bis dahin habe ich frei, weil die zuständige Mitarbeiterin im Urlaub ist. Auch nicht schlecht, so kann ich noch ein wenig ankommen.
Als nächstes habe ich die kleine (ca.1,40), nette Anna kennengelernt. Sie hat mir in einem Kauderwelsch aus Deutsch, Englisch und Hebräisch den Katalog und das Bibliothekssystem erklärt und ein paar Übungen mit mir gemacht. Da habe ich mich wieder gefühlt wie in meiner Volontärszeit: ein totales Sprachengewirr. Aber auch bei mir und meinem Sprachgebrauch. Irgendwie gibt es so in jeder Sprache Wörter, die den Sachverhalt am besten weider geben. Und dieses nutzt man dann, egal welche Sprache es ist. In Annas Zimmer habe ich auch eine ganz tolle Entdeckung gemacht: Das Deutsche Bücherverzeichnis, Karl Georgs Schlagwortkatalog und Hinrichs…sie alle waren da und standen im Regal. Professor S. hätte wohl seine Freude daran, den sie werden noch benutzt.

Karl Georg
Anschließend musste ich – wie überall . die entsprechenden Formulare ausfüllen. Offiziell bin ich “Volontär”, also wird es hoffentlich auch mit einem Volontärsvisum klappen. Das muss ich nächste Woche auch mal noch in Angriff nehmen. Leider wurde mir auch gleich gesagt, dass niemand mit mir zum Ministerium gehen wird
Schade. Aber ich krieg das schon hin. Ganz stolz habe ich dann auch meine eMailadresse @vadvashem.com in Empfang genommen. Juhu.
Rachel – die Sekräterin – hat sich über eine Stunde Zeit genommen, um mir einen Teil des Geländes zu zeigen. Ich kann dazu nur sagen: Israel lohnt sich als Besuch allein schon wegen Yad Vashem. Das ist hier alles so beeindruckend. Da geht es los mit den Bäumen, die für die gerechten unter den Nationen gepflanzt wurde, dann der Wagon, der auf Gleisen wie in den Abgrund fährt und in dem die Leute damals deportiert wurden, Ausstellungen, die visual und learning center und zum Schluss das Museum. Unbeschreiblich…muss man gesehen haben und lässt niemanden unbeeindruckt. Abgeschlossen wurde unsere Tour dort, wo ich heute angefangen habe: Lesesaal und Magazin.
Der Lesesaal wird mit dem Archiv geteilt und enthält nur einen kleinen Handbestand der meistgenutzen und wichtigsten Literatur und der Yizkor-Bücher (über jüdische Gemeinden). Alles andere wird aus dem Magazin heraufgeholt. Dort wird nach nummerus currens aufgestellt. 2 Ziffern: Jahr + Laufende Nummer, Sonderformate und Sonderformen extra. Schien mir nicht sonderlich kompliziert.
Mein Eindruck von der Arbeitsweise hier ist: sehr chaotisch und recht entspannt. Wenn man sich die Zimmer der Mitarbeiter ansieht, dann ist das für einen Ordnungsliebenden Menschen vielleicht nicht ganz so einfach zu verstehen. Doch das Genie beherrscht das Chaos. Allerdings muss ich sagen, dass mich bei den Bücherreihen ganz ganz stark das Bedürfnis überkam, alles schon vorn auf Kante zu stellen…Das ist eben doch ein Unterschied zu Deutschland. Mal sehen, wenn es mich nicht mehr hält, gehe ich vielleicht nächste Woche einfach mal hin und stelle alles schön in Reih´ und Glied…
Uih, ich merke schon, der Artikel wird länger und länger. Was mir noch aufgefallen ist: Das Thema

vor der Bibliothek
Fundraising/Sponsoring ist hier ein ganz anderes. Überall in der Stadt sieht man Häuser, Parks…die irgendwemm gewidmet oder von jemandem gesponsert sind. In Yad Vashem nocheinmal verstärke, weil viele in Gedenken an ermordete verwandt Dinge oder Geld spenden.
Da ich heute auch um einiges eher gehen konmnte, habe ich mich spontan entschlossen bei meiner alten Arbeit im Behindertenheim vorbei zu sehen. Ich war so aufgeregt, aber es war dann echt schön. Hab alle begrüßt und mit ihnen geredet, Neuigkeiten ausgetauscht. (Siwans Mutter ist jetzt an Krebs gestorben, nachdem sie ihn 2x besiegt hat.) Außerdem auch in der WG vorbeigeschaut und ein wenige mit den Jungs unterhalten. Sind alle sehr nett, es hat sich nicht allzuviel verändert. Im Gespräch mit den Behindis habe ich gemerkt, dass mein Hebräisch doch nicht so schlecht ist, ich muss mich einfach trauen es laut zu sagen. Mach ich auch meistens, mein Problem ist nur, dass ich dann meist die Antwort nicht verstehe
. Hat auf jeden Fall meinen Wunsch bestärkt, wieder in einen Ulpan zu gehen und zu lernen.







