Judy01's Blog

Freut euch im Herrn. Ich betone es noch einmal: Freut euch! Lasst alle sehen, dass ihr herzlich und freundlich seid. Denkt daran, dass der Herr bald kommt. Sorgt euch um nichts, sondern betet um alles. Sagt Gott, was ihr braucht, und dankt ihm. Ihr werdet Gottes Frieden erfahren, der größer ist, als unser menschlicher Verstand es je begreifen kann. Sein Friede wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren. Phil. 4,4-7

Der Maler, der Tiefpunkt und Moshe September 23, 2009

Einsortiert unter: Uncategorized — judy01 @ 2:26 nachmittags
Tags: , , , , ,

Heute gibt es etwas heiteres, etwas schockierendes und einen kleinen Nachtrag:

Die israeliche Art zu streichen: Seitdem ich hier arbeite, wird in unserem Verwaltunggebäude gestrichen. Mittlerweile hat sich der Maler bis zu den Bürogebäuden der Bibliothek vorgearbeitet. Sehr witzig finde ich, dass hier eben Stück für Stück gestrichen wird. Er hat ein 2 qm grosses Stück Karton, dass auf dem Boden liegt und auf dem seine Utensillien (der Farbeimer z.B.) liegen. Diese Stück Pappe schiebt er Meter für Meter weiter und da wo sie liegt, da wird gestrichen. Allerdings ist nicht ersichtlich, wo bereits gestrichen wurde und wo vielleicht noch nasse Farbe ist. In diesen Tagen sollte man also nicht allzunah an den Wänden gehen. In unserem Flur hängt ein kleines Bild und als ich heute an Maler und Bild vorbeiging, konnte ich beobachten, wie er ganz sorgsam um das Bild herumgestrichen hat. Ich hätte sofort loslachen können und hätte am liebsten ein Bild davon gemacht.

Der bisherige Tiefpunkt: Da ich ja die Bücher aus der Auschwitzbibliothek katalogisiere, kommt mir schon manchmal ein Buch unter die Hände, wo ich ganz schön schlucken muss. Gestern habe ich für mich das bisher krasseste in der Hand gehabt: Es gab vom Rassenpolitischen Amt der NSDAP eine Zeitschrift, die “neues Volk” hieß. Die Inhalte sind der Hammer. Nur um mal kurz einen Einblick zu geben einige Ausschnitte aus dem Inhaltsverzeichnis: Gleichheits- und Verschiedenheitslehre im Lichte der Erblichkeitsgesetze, die Juden und die russische Revolution, Blutsquell des Volkes, vom stillen Heldentum der deutschen Forscher, die Erblichkeitsgesetze als Grundlage unserer Weltanschauung, der Jude kriminell… Man stumpft ja hier mit der Zeit schon ein wenig ab, beziehungsweise betrachtet man das Thema auf einer andern – unpersöhnlichen – Ebene, aber dieser eine Artikel hat mich tief getroffen und gelähmt und tut es noch immer. Es geht im Endeffekt um geistig und körperlich Behinderte die auf Bildern gezeigt werden und dazu Kommentare, wie: “Sie haben dem Staat bisher Kosten von … versursacht und haben noch ein langes ziel- und zweckloses Leben, keinem zu Nutze vor sich.” “Idioten in stumpfem Dahocken, unrein und ständig beschmiert, im Kreis ein idiotischer Bastard, ein Produkt der … Besatzung im Rheinland, welche Beträge muss der Staat für sie aufwenden, die besser erbgesunden kinderreichen Familien zu Gute kämen.”
Und dann muss ich sofort an meine Behinderten hier im Heim denken, die sicher kein leichtes Leben haben, die aber soviel Freude verströmen und mit denen die Arbeit – wenn auch sehr anstrengend – sooo viel Spass gemacht hat.

Hier muss ich auch für mich sagen: sicher gab es viel, die tatsächlich “nichts von all dem gewusst” haben, aber wer so einen Artikel liest und dem zustimmt… Wie ist das nur möglich?

Nachtrag zu Moshe: Von Moshe habe ich ja beim letzten mal bereits berichtet. Er arbeitet 2x pro Woche neben mir und macht die Bücher fertig und gibt ihnen den letzten Schliff. Heute hat er mir erzählt, dass er schon seit 16 Jahren hier arbeitet, eben seit seinem Ruhestand. Ich finde das echt bewundernswert und freue mich immer total, wenn er da ist. Er arbeitet ausserdem auch an der Datenbank für Shoaopfer mit. Hier sammelt Yad Vashem schon seit Jahren Namen und biographische Daten von den Opfern des Holocaust und hat bereits 3,5 Mio. Namen gesammelt. Ziel: jedem der 6 Mio. ermordeten Juden einen Namen (und damit ein Denkmal –> Yad Vashem = Erinnerung und Name) geben.

Für die Englischkundigen die Geschichte hinter dem Namen:

The Story of David Berger

David Berger was born and grew up in the Polish town of Przemysl. When the war broke out, in 1939, he fled from the invading German forces, ending up in Vilna (Vilnius). While in Vilna he corresponded with his friend, Elsa, who had managed to leave Poland for British-controlled Palestine in 1938. In this postcard he bid Elsa farewell, assuming that he would not survive.
He was shot in Vilna in July 1941. He was 19 years old.
The letters were donated to the “Masuah Archives” at the Institute of Holocaust Studies, Kibbutz Tel Yitzchak, by Elsa, where they can be found under file number PO-1613.

 

 
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.