
"Books from the ghetto" - diese werde ich katalogisieren
Meine erste Arbeitswoche in Yad Vashem ist zuende und zur Belohnung gibt es 3 freie Tag, den wir feiern Rosh Hashana, das jüdische Neujahrsfest.
Meine Arbeit für die erste Zeit wird es sein, die Bücher zu bearbeiten, die als Schenkung bzw. Tausch aus der Bibliothek des Auschwitz-Museums nach Yad Vashem gelangt sind. Dabei stoße ich immer wieder auf sehr interessante Literatur: vor allem Propaganda und manchmal muss man da schon ganz schön schlucken. Vieles ist noch in Fraktur und der Zustand der Bücher an sich ist auch nicht der beste. Wenn man dann manchmal auf der Titelseite des Buches sieht, welchen Weg es gegangen ist, dann ist das schon berührend.

Teil der Auschwitz-Sammlung
So steht eben neben dem Stempel der Zentralbücherei der Deutschen Arbeitsfront der Stempel der Bibliothek des Auschwitzmuseums. Der Großteil ist auf deutsch, aber ab und an mischt sich auch mal ein polnisches Buch darunter. Das ist dann immer ein wenig wie Rätselraten: Was ist jetzt hier der Verlag oder ist das vielleicht eher der Zusatz zum Hauptsachtitel u.s.w. Aber das ist auch schon einmal eine Übung für meine nächste Aufgabe, wo ich dann die Kunstbücher katalogisieren werde, denn die werden in allen möglichen Sprachen sein.

- ohne Worte -
Eine Besonderheit in Yad Vashem sind sicher die Volontäre: Sie arbeiten unter anderem bei mir in der Bibliothek und sind eben nicht nur junge hochmotivierte Deutsche, die sich zwischen Abitur und Studium eine Auszeit gönnen. Zweimal pro Woche sitzt Moshe neben mir, er ist ca. 80 Jahre alt und spricht gebrochen Deutsch, das hat er damals in der Schule in der Ukraine gelernt. Er ist „nach dem Krieg“ nach Israel ausgewandert. Ich habe nicht nachgefragt, ich kann mir die Geschichte denken… Trotz allem ist er ein Mann voller Güte und Freundlichkeit. Ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe und er freut sich über mich (bei unserer letzten Begegnung hat er mir einen deutschen Brief seiner Bank mitgebracht, den ich ihm vorlesen und erklären sollte…). Seine Aufgabe ist z.B. Sicherungstreifen in die Bücher zu kleben und Signaturschilder zu beschriften und anzubringen. Und dass macht er mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit. Er würde auch öfters kommen, hat er mir erzählt, aber er hat eine kranke Frau zuhause. Moshe ist nicht der einzige Freiwillige, da ist z.B. noch Rosa, genauso alt mit Wurzeln in den USA, sie kommt ebenfalls zweimal pro Woche. Ich finde diese Idee großartig! Die Volontäre freuen sich, mithelfen zu können und nehmen den Bibliothekaren viele Arbeiten ab. Definitiv eine Sache, die in mein was-ich-mir-für-meine-Bibliothek-mal-vornehme-Buch reinkommt.
Als ich mir diese Woche neue Bücher aus dem Magazin holen wollte, musste ich einfach mal nur diese eine Regalreihe ordentlich stellen. Es ging nicht anders. Vielleicht sind wir da ja als Deutsche wirklich komisch, aber ich denke mir halt: Die haben hier so seltene und wertvolle alte Bücher, wie kann man die nur so reinwerfen ins Regal? Nimmt man

noch zu katalogisieren
dann eins heraus, dann merkt man schon, dass es sich verzieht. (Die Volontäre aus dem Archiv haben erzählt, dass Schindlers Liste wohl bis vor wenigen Jahren auch noch einfach so im Archiv in einem Regal lag und jeder, der vorbeikam, mal „anfassen“ konnte, bevor man es jetzt doch mal in einen Karton getan und weggeschlossen hat…)
All zu viel habe ich nicht geradegerückt, weil ich niemandem auf den Schlips treten wollte, schließlich gibt es eine Verantwortlich im Magazin, die den ganze Tag dort verbringt. Sie hat ihr Zimmer im mittleren Bereich des Magazines und wenn man an die Bücher vor 1994 ran will, muss man an ihr vorbei. Am Donnerstag wollte ich mich vergewissern, dass es das Buch meines Professors S. in der Bibliothek tatsächlich gibt, aber ich habe es bei mehreren Anläufen tatsächlich nicht geschafft, an der netten Freu vorbeizukommen! Zwar habe ich ihr versucht zu erklären, dass ich nur mal gucken will und schon weiß, wo die Bücher stehen, aber irgendwie… Ich werde also morgen nochmal genau im Wörterbuch nachschlagen und mir die entsprechenden Sätze herausschreiben und es am Montag nochmal versuchen… Was man nicht alles mitmacht.











