Chofesch – Ferien. Es lebe Sukkot… Oktober 8, 2009
In den letzten Tagen ist viel passiert, ich habe viel erlebt und wenig geschrieben und merke einmal mehr, dass es mir an Kontiunität fehlt.

Künstlermarkt in Tel Aviv
Inzwischen bin ich um die Erfahrung reicher, das weder jiddisches noch äthiopisches Essen so wirklich meins ist. Momentan haben wir Sukkot (Laubhüttenfest) und alle Christen strömen ins Land und die Israelis aus dem Land, weil es Ferien sind und viele diese Chance nutzen und ins Ausland fahren. Auch wir in Yad Vashem arbeiten deswegen nur halbtags oder nehmen uns frei. Ich muss wirklich sagen, von den Arbeitszeiten bin ich gerade richtig zu den Feiertagen gekommen, so dass ich das alles miterleben kann. Wir haben die freien Tage genutzt und sind nach Tel Aviv gefahren, um uns dort den Künstlermarkt (jeden Dienstag und Freitag) anzusehen und danach nochmal ins Meehr zu hüpfen. Das war toll und ich muss sagen, ich war sehr begeistert. Der Markt war anders als der typische Shuk, den es überall gibt. Ganz viele Künstler standen da und haben ihre kreativen Ideen verkauft. Beim ersten Druchgang ging es nur: Wow, dass muss ich haben, wow, ist das toll…. Am Ende habe ich den Markt jedoch nur mit ein paar tollen Postkarten verlassen. Nach einem lecker Essen sind wir dann noch ins Mittelmeer baden gegangen. Das war toll. In Tel Aviv ist es ja um einiges schwüler als bei uns in Jerusalem und da war diese Abkühlung richtig klasse.
Außerdem haben wir uns die Davids Zitadelle angesehen, heute ein Museum am Jaffagate. Dabei ist mir wieder bewusst geworden, warum ich diese Stadt so liebe. Die Altstadt mit ihren Mauern aus Jerusalemstein sind einfach wahnsinnig beeindruckend.

Davids Zitadelle
![]() diesmal Hummus mit Pommes und Omlett |
Anschließend haben wir auf einem der Dächer in der Altstadt gegessen und den wundernaren Ausblick genossen. |
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Zum Abschluss des Tages haben wir uns noch an die Klagemauer gesetzt und einfach die Situation auf uns wirken lassen. Ich liebe es, dort zu sein und einfach den Menschen zuzuschauen. Mit welcher Inbrust wird hier (sicher, nicht NUR hier) zu Gott gefleht… |
![]() vor der Kotel/Klagemauer |
Zum Ende noch eine gute und eine schlechte Nachricht:
- Leider werden wir heute Abend den Abschied von Ina feiern. Sie war auch Volontärin in Yad VAshem und wird morgen wieder nach HAuse fliegen. Sehr sehr Schade, denn sie ist mir echt eine gute Freundin geworden und wir haben die letzten 4 Wochen eigentlich gemeinsam verbracht. Buh…
+ Meine Mum ist endlich nach ca. 2 Wochen aus dem Krankenhaus entlassen worden. Sie hofft noch auf die Wirkung der Medikamente, aber ich bin erstmal erleichtert, dass es ihr wieder ein wenig besser geht. Diese Situation war mein persöhnlicher worst-case (schlimmster Fall): Ich bin in Israel und meine Mutter muss wieder ins Krankenhaus. Er ist also eingetroffen. –> Ich stelle fest, ich liebe es neues Land und Leben zu entdecken, aber ich hasse es, von meinen Lieben getrennt zu sein.
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Ich schliesse mich auch mal meinem Bruder an: Kommentiert das mal, damit ich weiss, dass dies auch jemand liest.
Walking on the highway September 28, 2009
![]() Begin Highway |
Wir hatten dieses Wochenende – mal wieder – ein verlängertes Wochenende, nämlich 4 Tage frei. Es war heute Yom Kippur, der Versöhnungstag, an dem gefastet und keine Arbeit getan wird (eine Art verschärften Shabbat sozusagen).
Ina und ich haben uns deswegen auf gemacht und wollten testen, ob den tatsächlich keine Auto fährt. Wo macht man das am besten? Genau auf dem Highway. |
| Es sind tatsächlich auch nur 2-3 sehr mutiges entgegengekommen und einige Krankenwagen. Anschließend haben wir noch eine “kleinen” Spaziergang rund um die Knesset – das Parlamentsgebäude – gemacht und dabei auch die Natur hier bestaunt. |
![]() פרח |
Der Maler, der Tiefpunkt und Moshe September 23, 2009
Heute gibt es etwas heiteres, etwas schockierendes und einen kleinen Nachtrag:
Die israeliche Art zu streichen: Seitdem ich hier arbeite, wird in unserem Verwaltunggebäude gestrichen. Mittlerweile hat sich der Maler bis zu den Bürogebäuden der Bibliothek vorgearbeitet. Sehr witzig finde ich, dass hier eben Stück für Stück gestrichen wird. Er hat ein 2 qm grosses Stück Karton, dass auf dem Boden liegt und auf dem seine Utensillien (der Farbeimer z.B.) liegen. Diese Stück Pappe schiebt er Meter für Meter weiter und da wo sie liegt, da wird gestrichen. Allerdings ist nicht ersichtlich, wo bereits gestrichen wurde und wo vielleicht noch nasse Farbe ist. In diesen Tagen sollte man also nicht allzunah an den Wänden gehen. In unserem Flur hängt ein kleines Bild und als ich heute an Maler und Bild vorbeiging, konnte ich beobachten, wie er ganz sorgsam um das Bild herumgestrichen hat. Ich hätte sofort loslachen können und hätte am liebsten ein Bild davon gemacht.
Der bisherige Tiefpunkt: Da ich ja die Bücher aus der Auschwitzbibliothek katalogisiere, kommt mir schon manchmal ein Buch unter die Hände, wo ich ganz schön schlucken muss. Gestern habe ich für mich das bisher krasseste in der Hand gehabt: Es gab vom Rassenpolitischen Amt der NSDAP eine Zeitschrift, die “neues Volk” hieß. Die Inhalte sind der Hammer. Nur um mal kurz einen Einblick zu geben einige Ausschnitte aus dem Inhaltsverzeichnis: Gleichheits- und Verschiedenheitslehre im Lichte der Erblichkeitsgesetze, die Juden und die russische Revolution, Blutsquell des Volkes, vom stillen Heldentum der deutschen Forscher, die Erblichkeitsgesetze als Grundlage unserer Weltanschauung, der Jude kriminell… Man stumpft ja hier mit der Zeit schon ein wenig ab, beziehungsweise betrachtet man das Thema auf einer andern – unpersöhnlichen – Ebene, aber dieser eine Artikel hat mich tief getroffen und gelähmt und tut es noch immer. Es geht im Endeffekt um geistig und körperlich Behinderte die auf Bildern gezeigt werden und dazu Kommentare, wie: “Sie haben dem Staat bisher Kosten von … versursacht und haben noch ein langes ziel- und zweckloses Leben, keinem zu Nutze vor sich.” “Idioten in stumpfem Dahocken, unrein und ständig beschmiert, im Kreis ein idiotischer Bastard, ein Produkt der … Besatzung im Rheinland, welche Beträge muss der Staat für sie aufwenden, die besser erbgesunden kinderreichen Familien zu Gute kämen.”
Und dann muss ich sofort an meine Behinderten hier im Heim denken, die sicher kein leichtes Leben haben, die aber soviel Freude verströmen und mit denen die Arbeit – wenn auch sehr anstrengend – sooo viel Spass gemacht hat.
Hier muss ich auch für mich sagen: sicher gab es viel, die tatsächlich “nichts von all dem gewusst” haben, aber wer so einen Artikel liest und dem zustimmt… Wie ist das nur möglich?
Nachtrag zu Moshe: Von Moshe habe ich ja beim letzten mal bereits berichtet. Er arbeitet 2x pro Woche neben mir und macht die Bücher fertig und gibt ihnen den letzten Schliff. Heute hat er mir erzählt, dass er schon seit 16 Jahren hier arbeitet, eben seit seinem Ruhestand. Ich finde das echt bewundernswert und freue mich immer total, wenn er da ist. Er arbeitet ausserdem auch an der Datenbank für Shoaopfer mit. Hier sammelt Yad Vashem schon seit Jahren Namen und biographische Daten von den Opfern des Holocaust und hat bereits 3,5 Mio. Namen gesammelt. Ziel: jedem der 6 Mio. ermordeten Juden einen Namen (und damit ein Denkmal –> Yad Vashem = Erinnerung und Name) geben.

Für die Englischkundigen die Geschichte hinter dem Namen:
The Story of David Berger
David Berger was born and grew up in the Polish town of Przemysl. When the war broke out, in 1939, he fled from the invading German forces, ending up in Vilna (Vilnius). While in Vilna he corresponded with his friend, Elsa, who had managed to leave Poland for British-controlled Palestine in 1938. In this postcard he bid Elsa farewell, assuming that he would not survive.
He was shot in Vilna in July 1941. He was 19 years old.
The letters were donated to the “Masuah Archives” at the Institute of Holocaust Studies, Kibbutz Tel Yitzchak, by Elsa, where they can be found under file number PO-1613.
Bibliothekarisches September 19, 2009

"Books from the ghetto" - diese werde ich katalogisieren
Meine erste Arbeitswoche in Yad Vashem ist zuende und zur Belohnung gibt es 3 freie Tag, den wir feiern Rosh Hashana, das jüdische Neujahrsfest.
Meine Arbeit für die erste Zeit wird es sein, die Bücher zu bearbeiten, die als Schenkung bzw. Tausch aus der Bibliothek des Auschwitz-Museums nach Yad Vashem gelangt sind. Dabei stoße ich immer wieder auf sehr interessante Literatur: vor allem Propaganda und manchmal muss man da schon ganz schön schlucken. Vieles ist noch in Fraktur und der Zustand der Bücher an sich ist auch nicht der beste. Wenn man dann manchmal auf der Titelseite des Buches sieht, welchen Weg es gegangen ist, dann ist das schon berührend.

Teil der Auschwitz-Sammlung
So steht eben neben dem Stempel der Zentralbücherei der Deutschen Arbeitsfront der Stempel der Bibliothek des Auschwitzmuseums. Der Großteil ist auf deutsch, aber ab und an mischt sich auch mal ein polnisches Buch darunter. Das ist dann immer ein wenig wie Rätselraten: Was ist jetzt hier der Verlag oder ist das vielleicht eher der Zusatz zum Hauptsachtitel u.s.w. Aber das ist auch schon einmal eine Übung für meine nächste Aufgabe, wo ich dann die Kunstbücher katalogisieren werde, denn die werden in allen möglichen Sprachen sein.

- ohne Worte -
Eine Besonderheit in Yad Vashem sind sicher die Volontäre: Sie arbeiten unter anderem bei mir in der Bibliothek und sind eben nicht nur junge hochmotivierte Deutsche, die sich zwischen Abitur und Studium eine Auszeit gönnen. Zweimal pro Woche sitzt Moshe neben mir, er ist ca. 80 Jahre alt und spricht gebrochen Deutsch, das hat er damals in der Schule in der Ukraine gelernt. Er ist „nach dem Krieg“ nach Israel ausgewandert. Ich habe nicht nachgefragt, ich kann mir die Geschichte denken… Trotz allem ist er ein Mann voller Güte und Freundlichkeit. Ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe und er freut sich über mich (bei unserer letzten Begegnung hat er mir einen deutschen Brief seiner Bank mitgebracht, den ich ihm vorlesen und erklären sollte…). Seine Aufgabe ist z.B. Sicherungstreifen in die Bücher zu kleben und Signaturschilder zu beschriften und anzubringen. Und dass macht er mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit. Er würde auch öfters kommen, hat er mir erzählt, aber er hat eine kranke Frau zuhause. Moshe ist nicht der einzige Freiwillige, da ist z.B. noch Rosa, genauso alt mit Wurzeln in den USA, sie kommt ebenfalls zweimal pro Woche. Ich finde diese Idee großartig! Die Volontäre freuen sich, mithelfen zu können und nehmen den Bibliothekaren viele Arbeiten ab. Definitiv eine Sache, die in mein was-ich-mir-für-meine-Bibliothek-mal-vornehme-Buch reinkommt.
Als ich mir diese Woche neue Bücher aus dem Magazin holen wollte, musste ich einfach mal nur diese eine Regalreihe ordentlich stellen. Es ging nicht anders. Vielleicht sind wir da ja als Deutsche wirklich komisch, aber ich denke mir halt: Die haben hier so seltene und wertvolle alte Bücher, wie kann man die nur so reinwerfen ins Regal? Nimmt man

noch zu katalogisieren
dann eins heraus, dann merkt man schon, dass es sich verzieht. (Die Volontäre aus dem Archiv haben erzählt, dass Schindlers Liste wohl bis vor wenigen Jahren auch noch einfach so im Archiv in einem Regal lag und jeder, der vorbeikam, mal „anfassen“ konnte, bevor man es jetzt doch mal in einen Karton getan und weggeschlossen hat…)
All zu viel habe ich nicht geradegerückt, weil ich niemandem auf den Schlips treten wollte, schließlich gibt es eine Verantwortlich im Magazin, die den ganze Tag dort verbringt. Sie hat ihr Zimmer im mittleren Bereich des Magazines und wenn man an die Bücher vor 1994 ran will, muss man an ihr vorbei. Am Donnerstag wollte ich mich vergewissern, dass es das Buch meines Professors S. in der Bibliothek tatsächlich gibt, aber ich habe es bei mehreren Anläufen tatsächlich nicht geschafft, an der netten Freu vorbeizukommen! Zwar habe ich ihr versucht zu erklären, dass ich nur mal gucken will und schon weiß, wo die Bücher stehen, aber irgendwie… Ich werde also morgen nochmal genau im Wörterbuch nachschlagen und mir die entsprechenden Sätze herausschreiben und es am Montag nochmal versuchen… Was man nicht alles mitmacht.
Buchempfehlung September 19, 2009
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Absolute Empfehlung: Angelika Schrobsdorff “Du bist nicht so wie andre Mütter” Was braucht man schon zu einem gemeinsamen Leben: Ein Bett, einen Tisch, zwei Stühle und sehr viel Liebe. Das hatte Else gesagt, und das hatte sie geglaubt. |
Nachdem Heide in Deutschland schon versucht hatte, mich dafür zu motivieren, habe ich es in unserer Bibliothek entdeckt.
War meine Leküre für diesen Shabbat. *Daumen hoch*
Erster Arbeitstag und Besuch im Ilan September 9, 2009

Blick von der Bibliothek
Heute war mein erster Arbeitstag in der Bibliothek. Nachdem ich etwa eine halbe Stunde am falschen Eingang gewartet habe (von wo man aber einen wunderbaren Blick hat –> siehe Bild), wurde ich von meinem netten Chef – Rob – abgeholt und zu den richtigen Arbeitsräumen gebracht. Die Büroräume sind in einem anderen Gebäude als der Lesesaal und das Magazin. Ich persöhnlich finde das eher ungünstig, ich weiß nicht wie die Profis das sehen. Ich werde vom Lesesaal auch nur deswegen mehr sehen, weil ich heute immer darauf bestand, dass ich später mal “Circulating” (Ausleihe) machen will. Die Büroräume sind im Vergleich zu den öffentlich zugänglichen Teilen von Yad Vashem nicht so schön. Sehr klein, sehr eng und zum Teil ohne Fenster. Anschließend wurde mir erst eimal ein Teil der Belegschaft vorgestellt. Einen Arbeitsplatz für mich gibt es noch nicht. Das liegt daran, dass noch nicht entschieden wurde, wo ich demnächst meine Hauptaufgabe vollbringen werde: 500 Kunstbücher katalogisieren. Schön. Da musste ich spontan an Claudia denken, sie würde es lieben. Am Sonntag werde ich eingewiesen, bis dahin habe ich frei, weil die zuständige Mitarbeiterin im Urlaub ist. Auch nicht schlecht, so kann ich noch ein wenig ankommen.
Als nächstes habe ich die kleine (ca.1,40), nette Anna kennengelernt. Sie hat mir in einem Kauderwelsch aus Deutsch, Englisch und Hebräisch den Katalog und das Bibliothekssystem erklärt und ein paar Übungen mit mir gemacht. Da habe ich mich wieder gefühlt wie in meiner Volontärszeit: ein totales Sprachengewirr. Aber auch bei mir und meinem Sprachgebrauch. Irgendwie gibt es so in jeder Sprache Wörter, die den Sachverhalt am besten weider geben. Und dieses nutzt man dann, egal welche Sprache es ist. In Annas Zimmer habe ich auch eine ganz tolle Entdeckung gemacht: Das Deutsche Bücherverzeichnis, Karl Georgs Schlagwortkatalog und Hinrichs…sie alle waren da und standen im Regal. Professor S. hätte wohl seine Freude daran, den sie werden noch benutzt.

Karl Georg
Anschließend musste ich – wie überall . die entsprechenden Formulare ausfüllen. Offiziell bin ich “Volontär”, also wird es hoffentlich auch mit einem Volontärsvisum klappen. Das muss ich nächste Woche auch mal noch in Angriff nehmen. Leider wurde mir auch gleich gesagt, dass niemand mit mir zum Ministerium gehen wird
Schade. Aber ich krieg das schon hin. Ganz stolz habe ich dann auch meine eMailadresse @vadvashem.com in Empfang genommen. Juhu.
Rachel – die Sekräterin – hat sich über eine Stunde Zeit genommen, um mir einen Teil des Geländes zu zeigen. Ich kann dazu nur sagen: Israel lohnt sich als Besuch allein schon wegen Yad Vashem. Das ist hier alles so beeindruckend. Da geht es los mit den Bäumen, die für die gerechten unter den Nationen gepflanzt wurde, dann der Wagon, der auf Gleisen wie in den Abgrund fährt und in dem die Leute damals deportiert wurden, Ausstellungen, die visual und learning center und zum Schluss das Museum. Unbeschreiblich…muss man gesehen haben und lässt niemanden unbeeindruckt. Abgeschlossen wurde unsere Tour dort, wo ich heute angefangen habe: Lesesaal und Magazin.
Der Lesesaal wird mit dem Archiv geteilt und enthält nur einen kleinen Handbestand der meistgenutzen und wichtigsten Literatur und der Yizkor-Bücher (über jüdische Gemeinden). Alles andere wird aus dem Magazin heraufgeholt. Dort wird nach nummerus currens aufgestellt. 2 Ziffern: Jahr + Laufende Nummer, Sonderformate und Sonderformen extra. Schien mir nicht sonderlich kompliziert.
Mein Eindruck von der Arbeitsweise hier ist: sehr chaotisch und recht entspannt. Wenn man sich die Zimmer der Mitarbeiter ansieht, dann ist das für einen Ordnungsliebenden Menschen vielleicht nicht ganz so einfach zu verstehen. Doch das Genie beherrscht das Chaos. Allerdings muss ich sagen, dass mich bei den Bücherreihen ganz ganz stark das Bedürfnis überkam, alles schon vorn auf Kante zu stellen…Das ist eben doch ein Unterschied zu Deutschland. Mal sehen, wenn es mich nicht mehr hält, gehe ich vielleicht nächste Woche einfach mal hin und stelle alles schön in Reih´ und Glied…
Uih, ich merke schon, der Artikel wird länger und länger. Was mir noch aufgefallen ist: Das Thema

vor der Bibliothek
Fundraising/Sponsoring ist hier ein ganz anderes. Überall in der Stadt sieht man Häuser, Parks…die irgendwemm gewidmet oder von jemandem gesponsert sind. In Yad Vashem nocheinmal verstärke, weil viele in Gedenken an ermordete verwandt Dinge oder Geld spenden.
Da ich heute auch um einiges eher gehen konmnte, habe ich mich spontan entschlossen bei meiner alten Arbeit im Behindertenheim vorbei zu sehen. Ich war so aufgeregt, aber es war dann echt schön. Hab alle begrüßt und mit ihnen geredet, Neuigkeiten ausgetauscht. (Siwans Mutter ist jetzt an Krebs gestorben, nachdem sie ihn 2x besiegt hat.) Außerdem auch in der WG vorbeigeschaut und ein wenige mit den Jungs unterhalten. Sind alle sehr nett, es hat sich nicht allzuviel verändert. Im Gespräch mit den Behindis habe ich gemerkt, dass mein Hebräisch doch nicht so schlecht ist, ich muss mich einfach trauen es laut zu sagen. Mach ich auch meistens, mein Problem ist nur, dass ich dann meist die Antwort nicht verstehe
. Hat auf jeden Fall meinen Wunsch bestärkt, wieder in einen Ulpan zu gehen und zu lernen.
Jerusalem ist eine Baustelle September 8, 2009
Jerusalem ist eine Baustelle. Überall sind Straßen aufgerissen und es wird gebaut. Am Zionsplatz ist eine ganze Häuserreihe verschwunden. Leider damit auch das Haus in dem mein LieblingsBagelLaden war. Ich frag mich, wo der jetzt hingekommen ist. So wie ich die Israelis kennengelernt habe, werden die Baustellen auch so schnell nicht wieder weggehen.
In der Innenstadt habe ich heute gleichmal alles mitgenommen, was ich so vermisst habe.
Los ging es mit einem kurzen Besuch bei SamBooki (Gebäck und Leckereien ohne Ende, süß und herzhaft…). Hm…lecker. Aber ich habe mich zurückgehalten. Weil ich ja anschließend noch ein leckeres Frozen Yoghurt genießen wollte. Warum es diese beiden Dinge bis jetzt noch nicht nach Deitschland geschafft haben, ist mir echt ein Rätsel.
![]() SamBooki1 |
![]() SamBooki2 |
Als nich durch die Innenstadt gelaufen bin, habe ich gemerkt, wie viel sich in den letzten 2 Jahren verändert hat. Viele Läden und Geschäfte sind geschlossen oder umgezogen, viele neue sind hinzugekommen. Zudem war alles voll mit Militär. Die Abeilungen (??) der Zahal stellten sich einzeln vor.
![]() Zahal1 |
![]() Zahal2 |
Anschließend war ich auf dem Shuk und habe mich mit Lebensmitteln eingedeckt. Das war zumindest der Plan. Allerdings war ich noch nicht wirklich auf die Gerüche vorbereitet, so dass ich erstmal nur durchgelaufen bin und versucht habe, den Geruch von Fisch und Fleisch bei über 30 Grad und von ner Menge Menschen zu überstehen. Irgendwann konnte ich mich dann auch mal auf die Preise konzentrieren. zurzeit gibt es Granatäpfel das Kilo für 6 NIS (bisschen mehr als einen Euro). WOW..
Alles in allem isnd die Lebenshaltungkosten hier aber um einiges höher. Da muss man schon ziemlich aufpassen, wo man was kauft. Aber bei mir ist momentan sowieso nicht viel mit kaufen, denn meine EC.Karte wurde vorhin an mehreren ATM/Geldautomaten nicht anerkann. Mal schauen, ob es an der BAnk oder an der Karte liegt.
36 Grad und die erste Kakerlake September 8, 2009
Gestern Abend bin ich in Tegel in den Flieger nach Tel Aviv gestiegen. Der Abschied von meinen Eltern ist mir sehr schwergefallen und nachdem ich mich sehr lang zusammengerissen habe, sind am Ende dann doch eine Menge Tränen geflossen. Der Flug an sich ist sehr gut verlaufen, es gab leckeres Essen und ich habe eine neue Bekanntschaft geschlossen. Sie ist Friedenshelferin und arbeitet in der Westbank wo sie Sozialarbeiterinnen trainiert, u.a. zu den Themen häusliche Gewalt und Zwangsverheiratung.

Nachts um 2 Uhr Ortszeit bin ich dann in der Wohnung angekommen, wo ich von einer verschlafenen Mitbewohnerin und einer gar nicht verschlafenen Kakerlake empfangen worden bin. Uahhhh…. das geht ja mal gar nicht. Die Kakerlake musste deswegen auch gleich sterben. Ich hoffe, dass war eine einmalige Sache und sie hat sich nur ausversehen zu uns verirrt. Diese Tiere sind mal was ganz gruseliges. Naja auf jeden Fall war der anschließende Schlaf sehr unruhig, weil ich irgendwie davon ausgegangen bin, dass jeder dunkle Fleck eine Kakerlake darstellt. buah.
Heute morgen habe ich meine Sachen ausgepackt und mein Zimmer eingeräumt. Zuerst war ich voller Tatendrang und wollte auch direkt losstürzen und die diversen Dinge erledigen, einkaufen gehen, nach Gilo fahren und die Behindis besuchen, mal bei Yad Vashem vorbeischauen… Jetzt aber habe ich mich entschieden, es alles ganz langsam anzugehen. Ich merke, dass diesmal eben alles anders ist und ich sehr stark meine alte WG und die Gemeinschaft vermissen werde. Ich kann das alles noh nicht so wirklich einordnen und bin wohl erstmal mit all den Eindrücken ein wenig überfordert.
bruderlos – noch 5 Tage Deutschland September 2, 2009
Heute habe ich meinen Bruder und seine Frau – seit Samstag, tolle Hochzeit – zum Bahnhof gebracht. Die beiden werden jetzt erstmal Flitterwochen machen und anschliefend ab Oktober für 6 Monate nach Toulouse gehen.
Lukas haben wir gestern schon nach Berlin Tegel gefahren. Von dort ist er für 18 Monate Anderer Dienst im Ausland/Ersatzdienst nach Columbus, Ohio, geflogen.
Das heißt, ich bin seit heute für mindestens 6 Monate brotherless – bruderlos. Buh-doof.
Jetzt wird mir auch erstmal bewusst, was ich bei den Hochzeitsvorbereitungen und dem Abschiednehmen gut verdränft habe: am Montag gehts los!!! Nur noch 5 Tage!
















