Beim drueber lesen ist mir gerade aufgefallen, dass das ja doch alles schon sehr persoehnlich ist, aber ich wage es einfach trotzdem mal…
In den vergangen Wochen ist wieder viel passiert, diesmal chronologisch rueckwaerts:
–> Heute morgen hatte ich meinen Termin beim Innenministerium, es ging um die Verlaengerung meines Visa’s. Eine sehr interessante Erfahrung. Bei meinem letzten laengeren Aufenthalt in Israel haben sich die Mitarbeiter von Hagoshrim um all das gekuemmert, so das uns eigentlich nie bewusst war, wieviel Arbeit da eigentlich dahinter steckt, bis man diesen Aufkleber in seinem Pass hat. (Oh ja, leider kommt die Erkenntnis oftmals sehr spaet. Vielen Dank Hagoshrim!) Erst einmal einen Termin in diesem Amt zu bekommen, ist eine Herzusforderung: den Termin kann man taeglich von 13.00 bis 15.00 Uhr vereinbaren. Nur in dieser Zeit bekommt man – eventuell – jemanden ans Telefon. Der naechste Schritt ist das Zusammensuchen der Unterlagen: Medizinisches Attest, Schreiben der Beauftragen vom Sozialministerium… (mein aertliches Attest war ueber 2 Monate mit der Post unterwegs und bis ich Dina Lutati (Soz.Min.) ans Telefon bekommen habe, sind auch einige Tage ins Land gezogen…) Schussendlich hatte ich heute alle meine Unterlagen beisammen und war puenktlich auf dem Amt. Das muss man gesehen haben: Das pure Chaos. Keine wirkliche Beschriftung/Beschilderung – Wo muss man eigentlich hin?- in meinem Raum standen ueberall Kartoons mit alten – vermutlich vertraulichen – Visaantraegen (mitsamt Foto und Unterlagen). Hat man dann den richtigen Raum gefunden, wartet man darauf, dass sein Name aufgerufen wird. Und WEHE man geht vorher an den Schalter, um sich eventuell nach etwas zu erkundigen. Nachdem mein Name aufgerufen wurde, teilte mir meine Mitarbeiterin mit, ich solle doch zur Info gehen und mir dort ein Formular abholen und dieses ausfuellen (haette mir die Frau an der Info ruhig auch beim ersten Mal sagen koennen). Nachdem ich das Formular ausgefuellt und stolz zurueck gebracht habe, wurde ich angefahren, ob ich den englisch verstehe, es sei das falsche Formular… statt mich wieder zur Info zu schicken, hat mir die Sacharbeiterin diesmal aber gleich selbst das richtige Formular gegeben (ging beim ersten Mal wohl nicht?), welches ich aber nur zur Haelfte ausfuellen musste, weil ihr der Rest wohl zu lang gedauert hat…naja, wie auch immer: am Ende hatte ich meinen Aufkleber und meine Stemple, darf also ganz legal hier sein und musste auch gar nichts dafuer bezahlen. Super. War definitiv mal eine Erfahrung wert.
–> Durch meinen Ulpan (Sprachkurs) habe ich viele interessante Leute kennengelernt. Einer davon ist Yunus. Er ist ein Kapuzinermoench, der unglaublich klug und sprachbegabt ist (tuerkisch, itaqlienisch, englisch, deutsch, franzoesisch, althebraeisch, neuhebraeisch, griechisch…). Er hat mich und eine Freundin gestern Abend zu sich in sein Kloster eingeladen. Es war total spannend. Wir wurden dort von seinem Padre begruesst, der uns eine kleine Einfuehrung in den Glauben gegeben hat (ich sag mal nur: von der Schoepfung bis zu Jesus und weiter…im Schnelldurchlauf durch das Alte und Neue Testament). Er hat spontan fuer uns gebetet und uns gesegnet. Anschliessend haben wir uns das gerade noch im Bau befindliche Glaubenszentrum angesehen und dort gemeinsam gesungen (im Kloster wird italienisch gesprochen und das einzige italienische Lied, das Fanny und ich koennen, war: Laudato si…). Danach haben wir mit Yunus, dem Padre und 2 weiteren Bruedern Tee getrunken, Weihnachtsgebaeck gegessen und ganz viele Fragen gestell und beantwortet. Es war ein total gesegneter Abend: die Brueder haben uns voll teilhaben lassen an ihrem Leben und jede Frage beantwortrt, ganz regal wie persoehnlich sie war. Ich war total beeindruckt. Bin es noch immer. Wir koennen soviel von ihnen Lernen. Zu Beginn war ich sehr skeptisch und habe auf all das geachtet, was uns doch trennt… aber im Endeffekt war das gar nicht so viel (ok, Maria. ) Die Brueder sind keine alten Maenner gewesen, sondern alle in den 30ern. Sie haben alle irgendwann in ihrem Leben auf ganz verschiebende Weise gespuert, dass Gott sie ruft. Und sie haben sich fuer ein Leben ganz mit Jesus im Zentrum entschieden. Der Padre hat immer wieder gesagt: „Das wichtigste ist: Jesus ist das Zentrum in meinem Leben.„
Sie haben sichbei ihrem Eintritt fuer 3 Dinge entschieden: Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit und leben das jetzt mit seinen Konsequenzen. Fuer mich war das am Anfang einfach unverstaendlich, weil ich denke, dass man auch als Ehepaar sein Leben voll Gott geben kann (das denke ich noch immer), aber jetzt glaube ich, ein bisschen verstehen zu koennen, wieso sie diese Art zu leben gewaehlt haben. Ein Bruder meinte, dass es auch fuer sie wie eine Hochzeit war: Da war am Anfang das Verliebtsein in Jesus, dann die Entscheidung mit ihm zu leben und ins Kloster zu gehen. Doch er meinte auch, jeden Tag muss er immer wieder Ja sagen und es ist nicht immer einfach. Es gibt genauso Aengste, Zweifel… und dann erinnert er sich daran, dass er eine Entscheidung getroffen hat und zu dieser stehen will (wie in einer Ehe).
Ich aergere mich ueber mich selbst, dass ich oft so ignorant anderen christlichen Richtungen gegenueber bin (gerade auch der katholischen Kirche). Ich habe dort eine so tiefe Liebe und Hingabe an Jesus gespuert, so einen lebendigen Glauben, dass mich das echt voll demuetig macht. Fuer mich war das so eine ermutigende Zeit und ich frage mich: Was koennten wir nicht alles voneinander lernen, wenn wir aufeinander zu gehen wuerden? Ich bin nicht ueber Nacht ein Freund der Oekumene geworden, aber ich habe gesehen, was ich von diesen Maennern lernen kann…
Ich moechte mich in Gott verlieben, so wie sie es getan haben (deswegen diese Ueberschrift). In meinem Leben dreht sich doch soviel darum, einmal Mann und Kinder zu haben… anstatt einfach loszulassen und alles Gott zu geben. Diese Maenner haben losgelasssen und alles Gott geben.
Oh, ich wuensche mir so, dass ihr ein bisschen verstehen koennt, wie es gerade in mir aussieht und was mich so begeistert und bewegt hat.
–> Vergangene Woche sind mein Vater und meine Grossmutter bei mir zu Besuch gewesen und wir haben gemeinsam Jerusalem und Tiberias besucht und angesehen. Es war eine tolle Zeit und ein ganz arg schwerer Abschied. Ich habe halt einfach eine tolle Familie und gerade jetzt, wo sich Weihnachten naehert, merke ich schon, dass sie mir fehlt.
Die beiden haben mich an unserem letzten Tag zur Arbeit gefahren und dort haben sie sich von mir verabschiedet. Da ist dann natuerlich die ein oder andere Traene geflossen… als das meine Arbeitskollegin gesehen hat, musste sie gleich mitweinen und meinte nur: „Jetzt bereue ich gerade, dass ich keine eigenen Kinder habe.“

Omi und Judy am Flughafen
Trotzdem – auch wenn ich jetzt wieder ohne Familie hier bin – bin ich froh und soo dankbar, dass ich da sein darf und so viel erleben und erfahren darf. Jerusalem ist verrueckt, aber toll. Und hier leben so verrueckte Menschen und ich so froh, dass ich ein paar davon kennenlernen und von ihnen lernen darf. Ich merke total, dass Gott diese Zeit nutzt, um mir verschiedene Leute ueber den Weg zu schicken, die mich immer wieder in meinem Leben und meiner Beziehung zu Gott herausfordern und mir neue Perspektiven zeigen.
Danke.